Von Marc Doll
Am 7. September stimmt die Berliner CDU-Fraktion im Abgeordentenhaus über den Fraktionsausschluss von René Stadtkewitz ab, weil dieser Geert Wilders zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Integration“ eingeladen hat. Ich denke, den meisten Bürgern ist die Dimension dessen, was hier mit einem demokratisch gewählten Abgeordneten passiert, der einfach nur über ein bestimmtes Thema reden will, wohl bewusst. Weniger bewusst ist den meisten, was man gegen diese Machenschaften tun kann. Hiervon handelt dieser Aufruf.
Unabhängig davon was man über den niederländischen Politiker denken mag, so ist Geert Wilders ein regulär gewählter Parlamentarier eines EU-Landes, seine Partei die drittstärkste Kraft und regional gar führend. Wilders zur persona non grata zu erklären, bedeutet, dass man Gleiches mit einem Großteil des niederländischen Volkes tut. Es bedeutet, dass man demokratische Entscheidungen nicht respektiert; dass Demokratie offenbar nur solange gut ist, wie das Volk sein Kreuz an der von oben gewünschten Stelle macht. Diese Entwicklung halte ich für bedenklich und ich bin mir sicher, dass ich damit nicht alleine bin.
Ich kenne René Stadtkewitz persönlich und zähle ihn zu den größten Demokraten, die unser Land im Moment zu bieten hat. Er ist ein Mann, der trotz Drohungen und einem Anschlag weiterhin fest zu seinen Überzeugungen steht, der sich nicht dem Fraktionszwang unterwirft, der sein Fähnchen nicht dreht, wie der politische Wind des Opportunismus gerade bläst und vor allem jemand, der die Sorgen vieler Bürger hört und diese in die öffentliche Diskussion bringt. René Stadtkewitz ist genau der Schlag Politiker, den sich ein Volk wünscht und der in diesen Zeiten so dringend benötigt wird.
Es brodelt im Volk. Das Thema Integration ist das brennendste Problemfeld, aber paradoxerweise auch das am meisten unterdrückte und am unehrlichsten geführte. Nirgendwo ist die Diskrepanz zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung so groß wie hier. Nirgendwo ist das, was als Realität ausgegeben wird, weiter von der Realität entfernt. Händeringend wird versucht, das Thema zu deckeln: Statistiken werden verzerrt wiedergegeben, Studien gefälscht. Die immer lächerlicher werdenden Artikel über Erfolgsmeldungen in der Integration erinnern zunehmend an den irakischen Pressesprecher, der im Irakkrieg noch pausenlos vom Sieg redete, als im Hintergrund schon amerikanische Bomben auf Bagdad fielen. Der Bedarf und das Verlangen nach einer ehrlichen, offenen Debatte über die Integration ist immens.
René Stadtkewitz möchte nichts weiter, als diesem Verlangen der Bürger zu folgen und eine ehrliche Debatte über die Integrationsprobleme, die wir insbesondere mit Zuwanderern aus islamisch geprägten Ländern haben, öffentlich führen und in die Politik tragen. Dies muss in einer Demokratie möglich sein; ja, die Demokratie lebt gerade von transparenten Debatten. Demokratie bedeutet, dass gewählte Vertreter den Willen des Volkes hören und im Parlament vertreten.
Nicht jedoch, wenn es nach dem Landesvorsitzenden der Berliner CDU, Frank Henkel, geht, der eine Abstimmung über den Fraktionsausschluss von René Stadtkewitz angesetzt hat. Es ist immer das gleiche: die Debatte wird erstickt, indem der Debattenstifter diskreditiert und ausgeschlossen, ja politisch erschlagen wird. Damit begibt sich Henkel auf einen Weg, der nicht nur an düstere Zeiten erinnert, sondern uns diesen einen Schritt näher bringt. Frei nach Mao „Erschlage einen, erziehe Hundert“ werden sich nach dem Ausschluss von Stadtkewitz durch Henkel wieder weniger Politiker und Bürger trauen, den Mund aufzumachen, um zu verhindern, dass ihnen Gleiches widerfährt. Wir sollten uns hierbei auch darüber im Klaren sein, dass Stadtkewitz stellvertretend für viele Menschen und deren Verlangen nach offener Diskussion steht, die hier wieder einmal gezeigt bekommen, dass es gesünder ist, sich nicht gegen die Sprachzensur namens Politische Korrektheit zu stellen und weiterhin zu schweigen. So wird Demokratie zerstört.
Diese Zensur einer offenen, ehrlichen Diskussion ist nicht neu in der Berliner CDU. Schon im Oktober 2009 ließ Henkel die Sabotage einer Veranstaltung mit dem Titel „Islam und Integration“ zu, mit der Stadtkewitz das Thema in die Öffentlichkeit tragen wollte. Als Referenten hatten u.a. Serap
Çileli und Kirsten Heisig zugesagt - also Expertinnen, denen man neben einem sehr fundierten Wissen sicherlich auch einen seriösen Umgang mit der Thematik attestieren kann. Als Fraktions- und Landesvorsitzender vermied Henkel es, deutlich zu machen, wie wichtig der CDU die wirkliche Beschäftigung mit den Integrationsproblemen ist. Es ging Herrn Henkel nicht darum, dass das Thema differenziert betrachtet wird, wie er vorgab, sondern dass es gar nicht oder nur beschönigt betrachtet wird.
Als Konsequenz trat René Stadtkewitz aus der CDU aus. Um seinen Platz im Berliner Abgeordnetenhaus nicht zu gefährden, hätte er es einfach runterschlucken können. Aber er entschied sich für sein Gewissen und begrub wegen einer abgesagten Veranstaltung seine politische Karriere in der CDU.
Liebe Mitbürger und politischen Mitstreiter, egal ob Ihr rechts, links, liberal, grün oder sonstwas seid, egal ob Ihr die Ansichten dieses Mannes teilt oder nicht… ist dies nicht die Art von Rückgrat, welches wir so sehr in der Politik vermissen? Ist es nicht verteidigungswürdig, wenn jemand dermaßen auf eigene Kosten zu seinen Überzeugungen steht?
Und es ist nicht nur Rückgrat. Es ist gelebte Demokratie! Wer René Stadtkewitz gewählt hat, weiß, dass dieser Politiker auch das vertritt, was er während des Wahlkampfes kommuniziert hat und er weiß auch, dass dieser Politiker seine Überzeugungen, für die er gewählt wurde, sogar auch dann verteidigt, wenn er sich selbst damit schadet. René Stadtkewitz ist einer der wahren Demokraten in einer Branche, die kontinuierlich und sicherlich nicht zu Unrecht auf den untersten Rängen der Glaubwürdigkeitsskala rangiert. Frank Henkel dagegen sendet ein Zeichen an seine Fraktion aus: beugt Euch oder erleidet dasselbe Schicksal! Was dies noch mit der Freiheit des Gewissens zu tun hat, die einem Abgeordneten verbürgt ist, erschließt sich wohl niemandem mehr.
Was alle nichtextremen politischen Richtungen vereint ist die Demokratie. Wir können uns gerne täglich über Atomausstieg, Gentechnik, Integration oder Wirtschaft streiten, Kompromisse finden oder auch nicht. Aber wenn es um das Wesen der Demokratie geht, dann müssen wir Seite an Seite vereint stehen!
Ich mag nicht immer mit Euren politischen Ansichten übereinstimmen. Aber ich respektiere jeden (verfassungstreuen) von Euch, egal ob links, rechts, grün oder gelb, der auf diese Art Glaubwürdigkeit beweist; der seinen Auftrag als Volksvertreter ernst nimmt und das Wohl des Volkes über sein eigenes stellt. Ich bitte Euch, selbigen Respekt auch René Stadtkewitz entgegen zu bringen, denn es ist der Respekt vor der Demokratie und der Freiheit.
Aus diesem Grund rufe ich alle verfassungstreuen, demokratischen Bürger und Politiker auf, am Dienstag, den 7. September um 14:30 Uhr zum Berliner Abgeordnetenhaus (Niederkirchnerstr. 5 – vor dem Raum 311) zu kommen, um ein Zeichen zu setzen!
Lasst an diesem Tag unsere Stimme erheben und vereint deutlich machen, dass hier die Grenze überschritten ist! Lasst uns lautstark artikulieren, dass wir nicht tatenlos zusehen werden, wie jemand bestraft wird, weil er seinem Gewissen folgt und nicht dem Fraktionszwang. Lasst uns an diesem Tag zeigen, dass wir es zu schätzen wissen, wenn ein Politiker dem Verlangen der Bürger nach Transparenz und Diskussion nachgeht und lasst uns ebenso zeigen, was wir davon halten, wenn solch ein Mann dafür an den Pranger gestellt werden soll. Lasst uns zeigen, wer der Souverän im Land ist!
Verbreitet diesen Aufruf!
Schickt ihn an Eure Freunde und Bekannten.
Kopiert ihn in die Foren und Blogs.
Frank Henkel hat René Stadtkewitz ein Ultimatum gestellt.
Am 7. September wird ihm die Antwort überbracht werden!
Für die Freiheit!